Appell zur Aufarbeitung des Polizeieinsatzes am Gedenkort Peršmanhof
Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrter Herr Vizekanzler!
Sehr geehrter Herr Bundesminister für Inneres! Sehr geehrte Frau Bundesministerin für Justiz!
Sehr geehrte Frau Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten!
am Sonntag, dem 27. Juli 2025, wurde ich telefonisch über einen massiven Polizeieinsatz aufgrund von Verwaltungsübertretungen am Peršmanhof informiert. Laut Erzählungen, sieben Einsatzfahrzeuge, am Ort selbst über 30 – teils schwer bewaffnete – Beamt:innen, ein Polizeihubschrauber, Drohnen und eine Hundestaffel drangen in einen Ort ein, der nicht nur historisch tief verwundet, sondern auch symbolisch für Erinnerung, Trauer und Aufarbeitung steht. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken als ich davon informiert wurde. Ich war sprachlos. Und bin es noch. Bei meinem Eintreffen heute am Peršmanhof sind mir nur noch die Tränen geflossen. Musste dieser Einsatz so unsensibel erfolgen, war er in dieser Form gerechtfertigt? Und all das 80 Jahre nach dem Massaker am Peršmanhof!
Als Nachkomme der am Peršmanhof ermordeten Familie Sadovnik und jemand, der seit Jahren gemeinsam mit den höchsten politischen Repräsentant:innen der Republik das Gedenken mitträgt, empfinde ich diesen Einsatz aufgrund von angeblichen Verwaltungsübertretungen als unverhältnismäßig, respektlos und retraumatisierend. Dieses Vorgehen reißt alte Wunden auf. Es erschüttert mein Vertrauen – nicht nur in die Sensibilität staatlicher Organe, sondern auch in das ehrliche Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus.
Das Trauma sitzt tief. Bis in die dritte Generation leiden Nachkommen unter Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen. Viele sprechen gar nicht erst darüber. Es kann sich keiner vorstellen was dieses Ereignis in uns Nachkommen auslöst. Umso zentraler ist die würdevolle Gedenkarbeit – und das klare, sichtbare Bekenntnis der Republik zur Anerkennung des Widerstands der Kärntner Slowen:innen, der bis heute in weiten Teilen der Gesellschaft ausgeblendet wird.
Ich fordere Sie mit allem Nachdruck auf: Klären Sie diesen Einsatz umfassend und transparent mit all seinen Hinter- und Beweggründen auf. Erklären Sie, wie es zu einer derart massiven Intervention an einem Gedenkort kommen konnte.
Mit tiefer Bestürzung, aber auch mit dem Vertrauen auf Ihre Verantwortung für dieses Land,
Bernard Sadovnik
Bürgermeister/župan und Vorsitzender des Beirates für die slowenische Volksgruppe
Foto: Wikipedia